Greatest (S​)​Hits XI - Volution on the Nocturnal Water Slide

by Atrophic

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about

"Volution on the Nocturnal Water Slide" ist wohl das vernachlässigste Album der Atrophie. Es wird von den beiden vorangegangenen Alben zu Unrecht überschattet, obwohl es mindestens genauso gut, wenn nicht gar besser ist. Vielleicht liegt es an seiner unscheinbaren Spielzeit, weder exzessiv lang wie "Raging Temper of the Skies" noch extrem kurz wie "Snowing on Indiscernible Pathways". Vielleicht liegt es daran, dass die Albennummer chronologisch falsch ist. Vielleicht liegt es daran, dass die Songs keine so starke musikalische Einheit bilden wie bei den beiden vorigen Alben. Vielleicht liegt es aber auch nur an dem fehlenden Titelsong. Man weiß es nicht.

Es kann jedenfalls keinen Zweifel an der musikalischen Qualität der Stücke geben: Wieder einmal hat die Atrophie ein fehlerfreies Werk vorgelegt, in dem jeder Song perfekt ausbalanciert, strukturiert und wunderbar einprägsam ist. Auch an der thematischen Zusammengehörigkeit der Songs mangelt es eigentlich nicht, ist doch allen Songs eine öminose, schemenhafte Aura gemein, die ein unterschwellig brodelndes Chaos verdeckt. Auch hier ist wieder die Produktion instrumental, die im Vergleich zu den letzten Alben deutlich ausgefeilter ist. Die Produktion ist hier fester Bestandteil der Kompositionen, werden die muskalischen Themen doch auf groteske Art und Weise verdreht, verzerrt und zerstückelt. Gleichzeitig macht sie den Gesamtklang des Albums verwaschen und unscharf, was zur mystischen Qualität der Stücke beiträgt. Untermalt wird diese Mixtur von perkussiven Klapper- und Quäkklangen, die musikalisch zwar völlig unpassend sind, sich aber als Element der Instabilität als unverzichtbar erweisen.

Doch vor allem lohnt es sich hier mehr als bei jedem anderen Album, jeden Song als in sich abgeschlossenes Einzelwerk zu betrachten. Ausgenommen seien hier das Anfangs- und Endstück, die beiden "Dark Horse"-Balladen, die natürlich zusammengehören. Diese so ganz unballadesken Stücke beginnen ganz harmlos, brechen dann aber ganz urplötzlich in sich zusammen und zelebrieren ungehemmt die Lärmatrophie in all ihrer chaotischen Pracht. Wo die Ausrastelemente in "Raging Temper of the Skies" noch eine majestätische Epik in sich trugen, werden sie hier weiterentwickelt zu einer erfrischend-dreisten Unsinnscollage. Mit Ausnahme von diesen beiden Songs ist die atrophische Aggressivität in diesem Album aber eher unterschwellig vorhanden. Sie findet sich im Mittelteil von "Fouling a Shag Pile in a Thatched Hut", wo alle melodischen Elemente des Songs mit aggressiven Viertelnoten zusammengestampft werden. Sie finden sich aber auch im Mittelteil von "Log Paved Path in the Perpetual Granular Ice", der ähnlich wie bei "Ancillas to Smuggle Vanilla Fragrances" vom letzten Album aus dem nichts hervorbricht und durch eine ganze Reihe von Lärmelementen führt, die so überzeugend sind, dass sie kurz darauf noch einmal wiederholt werden.

Am eindrucksvollsten ist jedoch die melodische und strukturelle Ausgefeiltheit des Materials. Da ist beispielsweise die leicht traurige, trötige Melodie von "Fouling a Shag Pile in a Thatched Hut", die auf zwei verschiedenen Instrumente gespielt gegenübergestellt wird und sich so in immer neuen Weisen kombiniert. Oder "The Art of Musical Mutilation", das ganz unaufgeregt und methodisch die verschiedenen Themen einführt und dann auf logische Art und Weise miteinander kombiniert. Im Gegensatz dazu steht "White Cloud Mountain Minnows Carried by Rail", das sich stets weiterentwickelt und immer neue Ideen aufwirft, die teilweise miteinander konkurrieren. "Diverting a Potato Rasp from Its Intended Use to a Plow" verbindet die altbekannten Holperrhythmen mit eingängigen Akkordstrukturen á la "Fountain Befuddlement", um so maximalen Effekt zu erzielen. Und "Sodding Waterways" enthalt schlicht und einfach einige der genialsten atrophischen Melodien, die auf ganz wundersame Weise hin- und herschwingen.

Trotz all dieser Ausgefeilheit handelt es sich jedoch immer noch um Atrophic, und so fehlt es an merkwürdigen, irritierenden und ganz einfach dreisten Elementen natürlich nicht. Von den schrägen Harmonien in "Fouling a Shag Pile in a Thatched Hut" und den insektenartigen Quietschtönen in "The Hereditary Humble Bumble Bee" über die abgehackten Rhymthen in "Burning the Feathers of a Non-Decadent Hat" zu der Verbindung von sanften Akkorden und bizarr klingenden Melodieinstrumenten in "Enthralled by the Withdrawing of Heat from Earth's Interior" fehlt es dem Album nicht an Verwirrpotenzial. Besonders bemerkenswert in dieser Hinsicht ist sicher "Requesting a Bin of Slender-Spike Rushes", das mit dem strukturlosem Chaos der Frühatrophie beginnt und sich allmählich zu einer logischen Komposition mit eingängigen Themen und einer schwülen Atmosphäre zusammensetzt.

In Anbetracht der kompositorischen Ausgereiftheit und der schieren Variationsfülle in jedem einzelnen Songs ist es erstaunlich, dass "Volution on the Nocturnal Water Slide" nicht mehr Beachtung erfährt. Trotz der relativ kurzen Spielzeit gibt es hier mehr zu entdecken als auf jedem anderen Album, denn jede Sekunde ist gespickt mit einer Fülle von Details, die einem auf den Blick gar nicht ins Auge springt. Trotzdem mangelt es nicht an einprägsamen Melodien und irritierenden Einwürfen. Diese konstante musikalische Qualität über die volle Albumlänge sollte erst mit "Semolina Empire" wieder erreicht, wenn auch auf völlig andere Weise. "Volution on the Nocturnal Water Slide" ist somit der krönende Abschluss der mittleren atrophischen Schaffensperiode, die von vielen zurecht als beste bezeichnet wird.

credits

released 01 October 2011

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